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Aufbruch zu Nähe und Distanz

DIE SIEBEN LEBEN feiern morgen in der Moritzbastei ein Jubiläumskonzert. Es gibt Dinge, für die sieben Leben nicht reichen: alle Schönheit, alle Weisheit, die eine Liebe und die ganze Ewigkeit. Den Traum davon zu bewahren, haben Menschen zur Musik gefunden, zum Volks-lied als haltbare Konserve. Daraus zieht die Leipziger Band Die Sieben Leben die Wurzel.

Romantic Roots heißt das Ergebnis. Morgen gibt es das traditionelle Januar-Konzert in der Moritzbastei - eine Jubiläumsfeier, auf der 12 Monate DIE SIEBEN LEBEN gefeiert werden, 3 Jahre Zusammenspiel in der aktuellen Besetzung und 29 Jahre Folkländer-Bierfiedler-Ära.

Doch eigentlich wollen die Musiker um Sängerin Susanne Grütz und Bandleader Manfred Wagenbreth nur nach vorn schauen. Im Sommer soll nach dem Live-Produkt 2004 ein Stu-dioalbum nachgelegt werden, "vielleicht auch erst Herbst, auf jeden Fall im Vorweihnachts-geschäft. Wir machen uns keinen Stress", sagt Susanne Grütz. "Manchmal hätten wir uns mehr Zeit lassen sollen und jedesmal nehmen wir uns vor, das nächste Mal alles ganz anders zu machen", ergänzt Wagenbreth.
"Unsere Möglichkeiten sind längst nicht ausgeschöpft. Gitarren müssen nicht immer akustisch klingen, eine Drehleier kann mit elektronischen Effekten arbeiten. Wir werden nicht gleich beim Drum 'n' Bass landen, aber vielleicht bei einer Hammond-Orgel". Zwar immer auf der Basis "des Bisherigen, das ja mit Denkprozessen zu tun hat", doch habe man sich von dem "Zwang befreit, eine Folkband sein zu müssen".

Entscheidend seien die Biografien (und Instrumente), die die Bandmitglieder einbringen. Wagenbreth (Gitarre, Mandoline, Bouzouki) Jürgen Wolf (Cello, Mundharmonika) und Uli Doberenz (Kontrabass) stehen als Urgesteine für die Tradition. Die wird von den Cousins Johannes (Akkordeon) und Till Uhlmann (Geige, Drehleier) mit eigenen, neuen Begriffen aufgenommen. Per Winker (Percussion) steuert Jazz-, Salsa-, Blues-Farben bei. Und Sän-gerin Grütz ist vom Chanson geprägt, ohne Rock links liegen gelassen zu haben.

Dieser Sound hat bei der Grimmaer Liederflut das Publikum vor der Marktbühne zusammen-geführt. Vom Walzer bis zum griechischen Volkslied ist alles möglich, ein Leonard Cohen immer dabei, morgen auch Alannah Myles oder Richard Thomson mit einer noch tinten-feuchten "Keep Your Distance"-Nachdichtung.

"Es sind Lieder, die uns seit Jahren begleiten", beschreibt Wagenbreth die Song-Findung. Die Themen sind dabei so unspektakulär wie gültig: Beziehungen zwischen Nähe und Distanz. "Das ist doch das, worum es geht", sagt Susanne Grütz. Es habe nichts mit Flucht vor Tagspolitik zu tun, sondern mit Ermutigung zu großen, individuellen Emotionen "in Zeiten von Oberflächlichkeit und Massenspaß".

Neben Wagenbreth schreibt auch die Sängerin zunehmend Texte, etwa die anrührende E-theridge-Variante von "You can sleep while I drive", die auf dem letzten Bierfiedler-Album "Nimm von mir" stilistische Entwicklungen markierte.
Eine Einspielung, die bundesweit ihre Käufer findet, während Live-Auftitte meist auf den Os-ten beschränkt bleiben. "Es werden entweder regionale Bands gefördert oder internationale Stars rangeholt. Nach erster Euphorie haben sich viele still in ihre Winkel zurückgezogen", weiß Wagenbreth. Dennoch sei die Ost-Identität für DIE SIEBEN LEBEN weder Triebfeder noch Bildungsauftrag. "Wenn es sie in den Texten gibt, dann nicht nur dadurch, was man sagt, sondern: wie." Bei der Auseinandersetzung miteinander liege der Humor eher in Selbstironie.

Es gibt Dinge, für die sieben Leben nicht reichen. "Wir sind im ersten", sagt Manfred Wa-genbreth.


Janina Fleischer