Leipziger Volkszeitung vom 19.05.2006
Die Sieben Leben
Jeder weiß Bescheid

Record-Release-Party 19.05.

Wir haben uns daran gewöhnt: Seit einigen Jahren heißen die legendären „Bierfiedler“ nun schon „Die Sieben Leben“. Zu ihrer pressfrischen CD, die erste Studio-Produktion unter´m neuen Namen, mag man sich das alte Frisch-Fröhlich-Frei-Etikett auch nicht mehr vorstellen. Wie diese Musik beschreiben? Sie lebt vom einträchtigen Miteinander der verschiedensten Instrumente, von der lockeren Unangestrengtheit der Lieder und der charismatischen Wärme der Worte. Fest steht: Das ist längst kein Folk (mehr), trotz Quetschkommode, Geige und Drehleier. Es ist auch kein Rock, obwohl Manfred „Manne“ Wagenbreth bei „Wenigstens“ erstmals die E-Klampfe kernig aufjaulen lässt und als Bonustrack der mächtige „Black Muddy River“ von Grateful Dead traurig vorbeirauscht.
Es ist kein Mainstream-Pop trotz der Fülle von eingängigen Melodien - und bei aller sensiblen Poetik auch kein Chanson: Es ist Unterhaltungsmusik für Erwachsene. Für Menschen, die Spaß haben am Denken und am Staunen, am Lieben und am Feiern. Die in all diesen Dingen auch schon ein bissel Erfahrung haben und nicht mehr jeder Seifenblase hinterher springen. Die Sieben Leben können beim Rudolstädter Folksfest ebenso bestehen wie neben Element Of Crime. Die gängigen Radiosender dagegen spielen diese Band nicht. Doch das ist nicht schlimm, denn wer Die Sieben Leben mag, hört diese Sender ohnehin nicht…
Am Stärksten sind sie, wenn sie ihren ganz eigenen Sound entwickeln, die Vielfalt ihrer Breitwand-Instrumentierung, die unverwechselbaren Satzharmonien in den Refrains. Nachzuhören im Richard Thompson – Cover „Komm nicht näher“ oder im Opener, dem wunderbar bittersüßen „Fernweh in Plüsch“. Natürlich ist auch wieder ein Leonhard Cohen dabei („Jeder weiß Bescheid“ – der Titelsong). Insgesamt aber sind die eigenen Lieder, sämtlich aus der Feder von „Manne“ Wagenbreth, deutlich in der Überzahl. Zwei davon sind Neuaufnahmen alter Bierfiedler-Klassiker, einige kennt man schon aus dem Live-Programm. Zu dessen Höhepunkten zählte traditionell das göttliche „To Nou Mou Essigirissa“ der griechischen Sängerin Haris Alexiou. Die Studio-Aufnahme kann den Konzert-Eindruck allerdings nur bedingt einfangen: Das gibt es dann heute Abend auf der Brettschneider-Park-Bühne!

Lars Schmidt
Die Sieben Leben am 8.1.2005 in Hoyerswerda
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Die Sieben Leben am 15.01.2005 in der Moritzbastei Leipzig
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aus leipziger Almanach von Babette Dietrich
Das Himmelreich ist greifbar nah

Neustart mit neuem Namen: Die Bierfiedler sind jetzt Die sieben Leben. Das Instrumentarium ist reicher geworden, Romantic Roots wäre vielleicht eine neue Umschreibung ihrer Musik. Es bleibt die Verbindung zu Folk, Blues und Weltmusik. Unverbraucht und kraftvoll klingt die Band um die Sängerin Susanne Grütz und den Sänger Manfred Wagenbreth. Immer wieder tauchen beide als Texter und Übersetzer auf, dabei hat Manfred Wagenbreth eine Vorliebe für skurrile Namen westdeutscher Städte entwickelt. So sind Wuppertal und Schweinfurt zwar nicht zu einer Hymne, aber immerhin zu einem frechen Lied gekommen. Die Musiker machen Anleihen bei Kolleginnen und Kollegen wie Ray Davis, Alannah Myles, Fabrizio de André und natürlich Leonard Cohen. Doch dazwischen kommt viel Selbstgeschriebenes und -komponiertes.

Die Veranstaltungstonne der Moritzbastei am 15. Januar 2005 tobte, als Die sieben Leben nach der Eröffnung der Newcomer-Folkband Die neun Welten die Bühne betraten. Viele der dargebotenen Stücke finden sich auf der neuen, gleichnamigen CD "Die sieben Leben" wieder. Zum Glück ein Live-Mitschnitt, denn von der prickelnden Lebendigkeit und Spannung, die sich zwischen Bühne und Publikum entspinnt, lebt die Band. Noch dazu handelt es sich um einen gelungenen Mitschnitt eines Konzertes in Dresden vom Mai 2004, der neben der lebendigen Stimmung, der mal ekstatischen, mal melancholischen Musik auch die witzigen Moderationen festhält.

Aus Griechenland hat Susanne Grütz ein Lied mitgebracht und, um sich lange Erklärungen zu ersparen, neu betextet. "Das Himmelreich ist greifbar nah", diese Zeile bohrt sich mit großer Intensität ins Ohr. Passend zum neuen Bandnamen hat Manfred Wagenbreth einen "Sieben-Leben-Blues" kreiert. Mit Witz und Selbstironie zählt er all die Versäumnisse und Fehler auf, bei denen nicht einmal sieben Leben reichen, diese auszugleichen. Den Abschluss der CD wie auch des Konzertes in der Moritzbastei bildet das grandiose Tanzlied "Liebesschluss" mit Texten von Manfred Wagenbreth: "Tanz mich bis zum Wahnsinn, bis die Geige mir verbrennt."

Neben dem Bezug auf die sieben Leben, die man der Katze nachsagt und dieser Band wünscht, spielt der neue Bandname auch auf die Anzahl der Mitspieler an: Ulrich Doberenz am Kontrabass, Susanne Grütz als Sängerin, Johannes Uhlmann am Akkordeon, Till Uhlmann an Geige und Drehleier, Manfred Wagenbreth, nicht nur singend, sondern auch an Gitarre, Mandoline und Bouzouki, Per Winker an Schlagzeug und Percussion und Jörg Wolf mit Cello, Mundharmonika und Gesang. Sieben auf einen Streich, sieben Musiker, die eine verdammt gute, erfüllte Musik machen. Allen voran die sinnliche, kraftvolle Stimme von Susanne Grütz und das Reibeisenorgan Manfred Wagenbreths.

Überraschend und hintergründig ist die optische Aufmachung der CD. Das aufwendige Booklet hat Dörte Haussner gestaltet und mit einer ganz eigenen Handschrift versehen. Typografische Fragmente aus den Liedtexten kombiniert sie mit eigenen Illustrationen, dabei benutzt sie verschiedene Techniken wie Collage, Buntstiftzeichnung, verfremdete Fotos. Dennoch wirkt das Beiheft wie aus einem Guss. Bunt und vielseitig, lebendig und nachdenklich, wie die Musik der sieben Leben.
Macht es wie die Katze!